Große Geschichte in kleinem Dorf

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Energiemuseum Hohne zeigt Dokumentation von rund 50 Jahren Erdölgewinnung

Ein Ausflug zum Energiemuseum Hohne führt raus aufs Land – vorbei am Ort Hohne – bis in das kleine Dorf Spechtshorn. Der sichtbare Teil einer alten Förderpumpe im Vorgarten des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses verrät, dass man angekommen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach trifft man dort auf Erich Fischer – Mitgründer und Leiter des kleinen Museums – denn es gibt keine festen Öffnungszeiten. Wer sich die gesammelten Schätze in den Räumlichkeiten ansehen möchte, kann das kostenlos, muss sich vorab aber anmelden. Und den Schlüssel dafür hat „Hausherr“ Erich Fischer fest in der Hand.

Hier wird nicht nur die Erinnerung an fast 50 Jahre Erdölförderung bewahrt. Es ist auch ein prägender Teil Ortsgeschichte, ein historisches Erbe, das Erich Fischer und sein Mitstreiter Ernst Niebuhr schon Ende der 90er Jahre für die Nachwelt erhalten wollten: „1997. Die DEA in Hohne hatte dichtgemacht, alles stand auf Abbau. Da hatten mein Kumpel und ich die Idee, eine der Förderpumpen im Dorf aufzustellen – zur Erinnerung eben.“

Grundstein für das Museum gelegt

„Wir haben bei der Gemeinde das Einverständnis geholt und die Firma angefragt – und die hat uns den Pumpenantrieb (also das oberirdisch sichtbare Teil) nicht nur geschenkt, sondern auch aufgestellt – wie abgesprochen vor dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus. Dann kam der Gedanke, das Häuschen als Ausstellungsraum zu nutzen. Als die Samtgemeinde auch dazu ihr Einverständnis gab und wir zusätzlich das ehemalige Kalthaus (an der Kreuzung gegenüber) nutzen durften, war der Grundstein für das Museum gelegt.“

Die Gelegenheit war gut. Nach fast 50 Jahren hatte die Erdöl fördernde Firma DEA den Standort aufgegeben und war dabei, ihre Betriebsanlage bei Hohne zu demontieren. Mit der Bestätigung für einen Ausstellungsort in der Tasche bekam Erich Fischer Zugriff auf fast alles, was sein Sammlerherz begehrte – „gestiftet! Man hat sich gefreut, dass die Teile nicht im Müll oder im Recycling landen. Letztlich dokumentieren wir hier auch ein Stück Firmengeschichte.“ Ab Anfang 1951 wurde auf den Feldern bei Hohne Erdöl gefördert. Insgesamt 77 Bohrungen, eine monatliche Gesamtförderleistung von etwa 18.000 Tonnen Rohöl, zeitweilig 150 Arbeitsplätze – so die Bilanz bis zur Schließung. Das Areal war einst das drittgrößte Erdölfeld Deutschlands. „Und das hat natürlich auch die Ortsgeschichte geprägt“, führt der ehemalige RWE-DEA-Mitarbeiter und Museumsleiter aus.

„Die aktiven Jahre haben ihre Spuren hinterlassen – nicht nur was Arbeitsplätze angeht und die Einnahmen der Landwirte für ihre Felder, auf denen gefördert wurde. Ein großer Teil der gesamten Erschließung, angefangen bei der Befestigung von Straßen, ist dieser wirtschaftlichen Entwicklung zu verdanken – ebenso wie das Schwimmbad, das Kasino und das Schulgebäude. Viele Straßennamen erinnern an die Blütezeit von ‚Öl-Hohne‘.“ Mit dem Versiegen der Öllagerstätte kam es zum Stillstand. Die Bohrlöcher sind verfüllt, Zufahrtswege rekultiviert, Gerätschaften abgebaut und entfernt. Der Betriebsplatz DEA Hohne existiert nicht mehr.

Sichtbares Zeugnis der Ölförderung

Lediglich das Energiemuseum in Spechtshorn legt noch sichtbar Zeugnis ab. Zahlreiche Gerätschaften, Zubehör, Prüf- und Messtechnik sind darin feinsäuberlich präsentiert. Daneben beflügeln unterschiedliche Modellbauten die Vorstellungskraft. Sogar ein Labor zur Vorführung des Trennungsverfahrens vom Wasser-Öl-Gemisch (zur Feststellung der Ölqualität) hat Erich Fischer eingerichtet, in dem Garagenanbau am ehemaligen Gerätehaus. „Der ist uns im Zuge eines fröhlichen Geburtstagsfests gestiftet worden“. Überhaupt hat das Museum auch schon vor seiner offiziellen Eröffnung 2005 viel Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. Auf Menschen im Dorf ist Verlass, wenn es um Transport-, Aufstell- oder auch bauliche Hilfe ging und geht. Auch viele Exponate aus privatem Besitz sind im Museum gelandet, darunter zahlreiche Dokumente wie Pläne, Urkunden, Verträge, das alte Gästebuch sowie Fotografien und altes Filmmaterial. Mit der Übernahme der Trägerschaft des Museums durch die Gemeinde erhielten die Räumlichkeiten die notwendige Sanierung. Das ehemalige Kalthaus wurde rundum iso- liert, erhielt Heizung und Sanitäranlage sowie einen Ausbau des Dachbodens.

Lebenswerk von Erich Fischer

Das Energiemuseum Hohne ist nicht nur wegen der Gründung unverrückbar mit Erich Fischer verbunden. Es ist ein Lebenswerk, in das der 74-jährige Spechtshorner nach wie vor Engagement und viel Zeit investiert. Das Interesse an der „Erdölgeschichte“ kommt nicht von ungefähr. Schon sein Vater war bei der vormaligen Texaco beschäftigt. Fischer selbst hat nach der Schule eine Bäckerlehre gemacht. Um Geld zu verdienen, wechselte er als Arbeiter zu VW. Er war 20, seine Frau gerade 18 Jahre, als es schwere Komplikationen bei der Geburt seines Sohnes gab. „Es ging um Leben und Tod“. Nach langem Bangen überlebten Mutter und Kind. Da bot sich eine Stelle bei der Ölfirma an – „und ich habe zugegriffen, um näher bei meiner Familie zu sein.“ Insgesamt 30 Jahre blieb er in der Firma, hat sich über betriebliche Weiterbildung hochgearbeitet. Im Museum steht heute in einer Kammer sein altes Büro mit Echolot und Bodenmessgerät nachempfunden – ein sehr persönliches Erinnerungsstück.

Viele Geschichten und Führungen

So persönlich wie seine Ambition sind auch sein unerschöpflicher Vorrat von Geschichten und die Führungen durchs Museum. Seit einigen Jahren hat er mit Jürgen Deppe einen kompetenten Mann an seiner Seite, der ihn, was Führungen betrifft, entlasten kann. Zum Team von acht Leuten, das als „Museumsgruppe“ dem Heimatverein angegliedert ist, gehören „jetzt auch zwei junge Leute, die noch berufstätig sind“ und sich dem noch nicht vorhandenen Internetauftritt und der digitalen Archivierung annehmen. Es gibt dementsprechend eine Zukunft für das Energie-Museum in Spechtshorn – das im Übrigen so heißt, weil Fischer auch andere Formen der Energiegewinnung (Holz, Kohle, Solar, Biogas und Windkraft) mit aufgenommen und so einiges zusammengebastelt hat, das sich bewegt. „Vor allem die Kinder freuen sich bei den Rundgängen über solch eine Veranschaulichung.“

(Bericht Cellesche Zeitung vom 18.03.2021 - Doris Hennies)

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