Runde Sache aus Getreide

|   Nachrichten

Hohner Landfrauen gestalten Erntekrone für den Landrat.

Zwei Stunden sind vergangen – und das Ergebnis ist langsam zu erkennen. „Ihr müsst strammer binden“, ruft jemand. Eine ehemalige Kartoffelscheune in Spechtshorn wird an diesem Nachmittag zum riesigen Arbeitszimmer. Es riecht lecker nach Kaffee und Kuchen, aber für eine Pause ist es jetzt noch zu früh. Viel zu emsig sind die 20 Frauen bei der Arbeit, als dass sie sich eine Unterbrechung gönnen. Und so verwundert es wenig, dass die fleißigen Helferinnen nur mal kurz aufschauen, als der Besuch von der Celleschen Zeitung vorbeikommt, und dann sofort weiterarbeiten.

Beim Betreten der Scheune fällt, neben dem appetitanregenden Duft, vor allem dieses eine bestimmte monotone Geräusch auf. Ritsch, ratsch, ritsch, ratsch – so geht es in einer Tour. Die Landfrauen aus Hohne, die sich hier versammelt haben, schneiden und binden Stroh für die Erntekrone, die demnächst im Kreistags-Foyer in Celle aufgehängt wird. Aus vielen kleinen Bündeln wird am Schluss das prachtvoll geschmückte Ergebnis geformt.

Es ist seit vielen Jahren gute Tradition, dass die Landfrauenvereine im Kreis Celle im Wechsel die Gestaltung der Erntekrone übernehmen. Das rotierende System hat dazu geführt, dass diesmal – zum zweiten Mal nach 16 Jahren – die Hohner Landfrauen die ehrenvolle Aufgabe übernehmen. Mit fast 400 Mitgliedern stellt die Gruppe aus dem Ostkreis den größten und zugleich ältesten Landfrauenverein im Kreisverband Celle – gegründet 1925, vor 95 Jahren.

Annette Hildebrandt feiert ihr Debüt beim Gestalten der Erntekrone. „Ich komme gar nicht aus der Landwirtschaft und muss erstmal alle Getreidesorten auseinander halten“, erzählt sie lachend. Über eine Nachbarin hat Hildebrandt, die schon seit 42 Jahren in Hohne lebt, den Zugang zu den Landfrauen gefunden. Und sie hat ihren Eintritt in den Verein nie bereut. „Es macht viel Spaß, in der Gemeinschaft zu arbeiten“, sagt die stellvertretende Vorsitzende.

Das Getreide wurde Ende Juni geschnitten und seitdem in der Scheune von Dorothee Salig, der Präsidentin der Hohner Landfrauen, getrocknet. „Das Korn sollte die sogenannte Teigreife haben, also gut gefüllt sein“, erläutert Salig, die an diesem Nachmittag die Gastgeberin ist. Die Sträuße, die ihre Mitstreiterinnen binden und die am Ende den Kranz für Landrat Klaus Wiswe bilden, werden mit Schleifen verziert. In gut einer Woche wurden die Schleifen gestickt, versehen mit dem „Bauernlied“ von Matthias Claudius, dessen Zeilen häufig zum Erntedankfest Verwendung finden. Später werden die Schleifen noch glatt gebügelt. Alles reine Handarbeit also.

Die Mitglieder des Landfrauenvereins kommen nicht nur aus der Gemeinde Hohne, sondern – kreisübergreifend – aus dem gesamten Kirchspiel, also auch aus Ummern, Pollhöfen und Hahnenhorn. Mit den Hohner Ortsteilen Helmerkamp und Spechtshorn sind somit in diesem Jahr sechs Dörfer an der Gestaltung der Erntekrone beschäftigt.

„Was an Getreide übrig bleibt, wird zum Schmücken der Kirche für das Erntedankfest verwendet“, erläutert Salig. So schnell kommt also nichts weg. Jedes Dorf kümmert sich um eine Getreidesorte. Gar nicht so einfach, eine große Vielfalt abzubilden, denn die Erntekrone lässt immer auch Rückschlüsse auf das Erntejahr zu.

„Es gab auch schon Vereine, die Probleme hatten, genug Hafer zusammen zu bekommen“, sagt Ann-Kathrin Berkhan aus Bröckel, Kreisvorsitzende der Celler Landfrauen. „Es ist nicht ein Jahr wie das andere, aber Herr Wiswe wird auch diesmal zufrieden sein“, sagt sie mit einem Lächeln. Am Ende sind 134 Bündel Getreide zusammengekommen, aus denen der Kranz gestaltet wird. „In diesem Jahr ist mehr Roggen dabei“, fällt der Kreisvorsitzenden auf. Bis in die Adventszeit hinein wird die Erntekrone im Foyer vor dem Kreistagssaal hängen, danach findet sie für weitere acht Jahre in der Kirche in Hohne einen neuen Platz.

„Hafer ist viel filigraner als Roggen, das macht sich beim Gewicht bemerkbar“, stellt Annette Hildebrandt fest. Am Schluss ist es ein Balanceakt, den Kranz so zu basteln, dass er schön gleichförmig aussieht. „Man kann die Menge, die man an Getreide braucht, schwer einschätzen“, ergänzt Ann-Kathrin Berkhan.

Die Landfrauen, die wie Hildebrandt nicht aus der Landwirtschaft kommen, haben sich ihr Wissen über Vorträge und andere Aktivitäten des Vereins angeeignet. Ihre Kenntnisse geben sie gerne weiter. Vor allem Kinder wollen sie auf diese Weise an die Landwirtschaft heranführen. Erst gibt es in der Schule Unterricht, dann wird zusammen eingekauft und gekocht. Es werden Bauernhöfe besucht und bei der Getreideernte dürfen die Kinder auch mal auf einem Mähdrescher sitzen.

Das Klischee der Landfrauen – ältere Damen, die Kaffeekränzchen halten – trifft also nur bedingt zu. Allerdings, das muss man sagen, der Duft nach Kaffee in der alten Kartoffelscheune in Spechtshorn ist schon verführerisch. Nun ist doch mal Zeit für eine kleine Pause ...

(Bericht Carsten Richter - Cellesche Zeitung vom 4.09.2020)

Zurück