Hohner Orgel erfüllt ihren Zweck

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Es ist ein harmonischer Bau mit einer bald 50-jährigen Orgel: die Hohner Himmelfahrtskirche.

Als ich mich hier beworben habe, da habe ich mir als Rrstes die Kirche zeigen lassen, denn ich muss mich an meiner Wirkungsstätte wohl fühlen. Und als ich in dieser Kirche stand, da wusste ich gleich: Dieser Bau strahlt so viel Harmonie aus. Das passt.“ So erzählt Pastor Jan-Dirk Weihmann aus der Hohner Himmelfahrtskirche, als er in einer kleinen spontanen Führung die Kirche seiner Gemeinde zeigt. Und fast könnte man meinen, dass dieser Pastor schon jahrzehntelang hier tätig wäre. So vertraut und mit sich identifizierender Leidenschaft erzählt er von der Geschichte dieser Kirche. Und davon, wie wichtig ihm Musik als Teil der Verkündigung der christlichen Botschaft ist.

Damit kommt Weihmann dann auch gleich auf die Orgel in dieser Kirche zu sprechen. „Ich glaube, unsere Organisten spielen nicht ungern hier. Zumindest hat noch nie jemand was anderes gesagt zu mir. Aber natürlich ist das kein Konzertinstrument, sondern eine Orgel für den gottesdienstlichen Gebrauch.“ Dem ist voll und ganz zuzustimmen. Diese Orgel mag im Gottesdienst seinen Zweck erfüllen, größere oder anspruchsvollere Stücke darauf zu spielen, das ist dann doch noch einmal eine ganz andere Sache.

Zungenstimmen sprechen mit Verzögerung an

Schon bei den ersten Tönen stellt sich nämlich heraus, dass diese Orgel von Schmidt und Thiemann aus 1971 vielleicht doch ein Schwachpunkt dieser Kirche ist. Die Zungenstimmen sprechen nur mit Verzögerung an und sind klanglich wenig befriedigend. Der Anschlag ist unpräzise und in den verschiedenen Bereichen der Tastatur unterschiedlich, so dass genaues Spiel kaum realisierbar ist. Und wenn man mal ein kleines Pedalsolo spielen will, so gibt es die Höchststrafe: Dann rutscht einfach die Orgelbank nach hinten weg. Gut, dass man wohl vorhat, zum fünfzigsten Geburtstag der Orgel im Jahr 2021 diese überholen zu lassen. Da wird man wohl schon ein bisschen was investieren müssen, was sich aber auszahlen sollte.

Man darf gespannt sein, wie die Orgel dieser Kirche nach der Überholung klingen wird. Beim theologischen Verständnis dieses Pastors und dessen Bezug zu Musik darf man guter Hoffnung sein, dass die Sache mit Niveau angegangen wird – wenn denn der Kirchenvorstand das genauso sieht, was man nur hoffen kann. Dass Weihmann coronabedingt nun für eine begrenzte Zeit auf die harmonische Atmosphäre dieses Gotteshauses verzichten musste, das ist ihm spürbar nicht leicht gefallen. Aber Musik musste für ihn auch beim Gottesdienst draußen dabei sein.

Prinzip Dorfkirche konsequent umgesetzt

Das Besondere dieser Kirche ist wohl neben anderem, dass hier mit Wilhelm Matthies aus Bardowick ein Architekt am Werk war, der das Prinzip Dorfkirche nicht nur verinnerlicht hat, sondern dies auch mithilfe der Gemeinde konsequent umzusetzen in der Lage war. Die Verwurzelung mit dem Landleben zeigt sich unter anderem in der Verwendung der Materialien, denn die Kirche ist, wie viele Kirchen im Norden, aus rotem Backstein gebaut und im unteren Bereich durch Feldsteine, die teilweise Findlingsgröße haben, verkleidet und die aus der Feldmark rund um Hohne stammen. Diese wurden auch tatsächlich von der Gemeinde selbst gesammelt und herbei geschafft.

Die meisten Gewerke wurden von Hohnern Handwerkern erbracht. Und die 1913 im Mischstil eines manchmal fast etwas exotisch wirkenden Historismus erbaute Kirche beinhaltet nicht nur diverse Artefakte aus der Vorgängerkirche, sondern sie ist gestalterisch nichts anderes als die größere Variante der alten Kirche vom Ende des Dreißigjährigen Krieges. Sie wirkt wie eine maßstabsähnlich vergrößerte Variante davon. Das teilweise im Fachwerkstil erbaute nördliche Querhaus ist nichts anderes als eine Vorform eines gleich an die Kirche angebauten Gemeindehauses, wie es in den Sechziger- bis Achtzigerjahren weit verbreitet war.

Auf der Höhe der ersten Fensterreihe dieses Querhauses gibt es einen Aufenthaltsraum, der – so vermelden es historische Quellen – früher von Gottesdienstbesuchern aus den Nachbargemeinden gerne genutzt wurde, um sich dort aufzuwärmen. Wenn man noch eine Theke einbauen würde, dann könnte man hier eine Kneipe betreiben. Die Fenster dort künden nicht nur von diversen Beteiligten am Kirchenbau in Hohne, sondern sie zeigen auch ein Stück Kirchenbaugeschichte, denn auf einem kann man den Grundriss der alten Kirche sehen: tatsächlich im Grundriss fast gleich mit dem der heutigen Kirche, nur eben kleiner.

(Bericht Cellesche Zeitung vom 21.08.2020 - Fotos: Oliver Knoblich)

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