Überlebenschancen sinken täglich

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Zaun beschädigt – Hirsche weg: Besitzer aus Hohne rechnet mit toten Kälbern - 1000 Euro für Hinweise, die zur Feststellung der Täter führen.

Lutz Eichler hat seinen Hirschen schnell angemerkt, dass etwas Schlimmes passiert ist. „Zwei Tage waren sie total nervös und haben sich nicht locken lassen“, sagt der Besitzer der Tiere aus Hohne. Fünf Tage sind vergangen, seitdem wahrscheinlich jugendliche Täter einen Wildzaun in der Nähe des Waldbades aufgekniffen haben. Sie wollten auf diese Weise nachts ins Freibad eindringen. Eine Tat mit schwerwiegenden Folgen: Ein Zuchthirsch und sieben Muttertiere waren entkommen. Noch immer ist Rotwild verschwunden – und je mehr Zeit vergeht, desto mehr sinken die Überlebenschancen für die Kälber.

Enge Beziehung zu Tieren: Das Gelände, auf dem das Rotwild am Ortsrand von Hohne lebt, ist weitläufig. Eichler hat zwei Rudel mit insgesamt etwa 100 Tieren, beiden Rudeln stehen jeweils etwa 80.000 Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung. Die Tiere sind sein Hobby, seine Leidenschaft. Die Beziehung zu ihnen ist eng. Wenn er sie zur Fütterung ruft, kommen sie sofort an. „Sie kennen mich seit ihrer Geburt“, erzählt der 57-Jährige. „Wenn ich daran denke, was passiert ist, bekomme ich einen Hals.“

Unermüdlich auf der Suche: Etwa neun Tiere sind immer noch verschwunden. Rund ein Dutzend Tiere hat Eichler wieder eingefangen. Er tut sein Möglichstes, um auch die anderen entlaufenen Hirsche zu finden. Jeden Tag ist er stundenlang unterwegs. Dabei bekommt er viel Unterstützung von Helfern aus dem Ort. „Wir sind die Wiesen abgegangen auf der Suche nach Kälbern“, erzählt er. Eichler besitzt eine Drohne für Bilder aus der Luft. Zu Fuß zu suchen, sei aber effektiver, dann könnten Büsche oder Brennnesseln, in denen sich die Jungtiere verstecken, genauer kontrolliert werden. Alle Versuche, sie zu finden, schlugen aber bisher fehl. In der Nacht zu Montag haben einige der entlaufenen Hirsche einen Zaun beschädigt, um zurück auf das Gelände zu gelangen. Dabei sind wiederum andere Tiere entkommen.

Wer gehört zu wem? Ein weiteres Problem besteht darin, Kälber und Muttertiere einander zuzuordnen. „Wenn wir Kälber finden, können wir nicht sagen, ob sie mutterlos sind“, sagt Eichler. Klar würde er versuchen, einzelne Tiere mit der Flasche aufzuziehen – aber dann bestehe immer noch die Gefahr, dass er sie ihren Müttern wegnehme, eben weil die Zuordnung so schwierig sei.

Qualvoller Tod: Auch wenn Eichler seine Tiere wie kein Zweiter kennt, sieht er ihnen nicht sofort an, wenn es ihnen schlecht geht. „Eine Gewichtsabnahme erkennt man nicht gleich. Wenn sich die Hirsche hinlegen, heißt das nicht unbedingt, dass sie schwach sind. Sie entspannen sich.“ Wenn sie aber geschwächt seien, sei der Zeitraum bis zu ihrem Tod nur noch kurz. Zu verhungern, sei ein qualvolles Ende. Eichler rechnet täglich damit, tote Kälber zu finden.

Neue Rangfolge: Verschwunden ist auch immer noch der Platzhirsch. „Jetzt müssen die Tiere eine neue Rangfolge bilden“, erklärt Eichler, der hauptberuflich Landwirt ist. In freier Wildbahn bestehe die größte Gefahr darin, von einem Fahrzeug erfasst zu werden. „Hirsche haben keine Scheu vor Autos“, sagt ihr Besitzer. Ansonsten hätten sie gute Überlebenschancen.

Wut auf die Täter: Auf etwa 10.000 Euro schätzt er den Schaden, den er durch den Verlust der Tiere erlitten hat. Die beschädigten Zäune fallen dagegen kaum ins Gewicht. Es geht Eichler aber auch nicht ums Geld. Er lebt für und mit seinen Tieren. Beim Gedanken an die Täter packt ihn die Wut. „Mich nervt diese Bequemlichkeit“, sagt er. Was er meint: Sie hätten doch problemlos über den Zaun klettern können anstatt ihn zu zerstören und die Tiere dadurch freizulassen.

Belohnung ausgesetzt: Am Samstag hatte sich herausgestellt, dass in der Nacht zuvor ein Wildzaun in Angrenzung zum Waldbad beschädigt wurde. In der CZ am Dienstag wurde dabei ein falscher Zaun gezeigt, dafür bitten wir um Entschuldigung. Nach Polizeiangaben konnte bislang kein Täter dingfest gemacht werden. Unterdessen bietet Lutz Eichler 1000 Euro für Hinweise, die zur Feststellung der Täter führen. Was sie verursacht hätten, sei schließlich kein Spaß, sagt er.

(Bericht Cellesche Zeitung vom 2.07.2020 - Carsten Richter)

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